Inselnachrichten Nr. 22

Haramsøy, 27.05.09

Also, wenn sich hier gar keiner zuckt und mal schreibt und der Welt von meinen Heldentaten erzählt, dann muß ich eben selber ran. Sonst denken die noch auf der Insel ist gar nix mehr los. Das ist nun wirklich nicht so, dafür sorge ich schon. Nix ist vor mir sicher und besonders spannen sind Kabel an denen man ziehen kann. Wie dann alle gelaufen kommen, wenn ich das Telefon außer Betrieb setze. Wenn ich sie dann ganz schuldlos anlächle kann mir trotzdem keiner was übelnehmen. Jetzt bin ich ja schon ein Jahr alt. Ich habe auch schon meine eigenen Aufgaben: Ich bin zum Beispiel Spitze darin das Besteck aus der Spülmaschine zu räumen. Leider scheint die viel zu selten angestellt zu werden oder die räumen die heimlich aus, wenn ich schlafe.

 Letzte Woche war übrigens mein Geburtstag. Das ist einen nette Sache: Ich bekam viele bunte Sachen, hatte Besuch von den Großeltern aus Thüringen, es wurde extra für mich gesungen und es gab Kuchen! Könnte ich jede Woche machen, wenn nur diese Kleiderordnung nicht wäre! Ein Hemd sollte ich anziehen und eine schöne Hose! Pah! Das Problem habe ich doch gleich beim 1. Frühstück erledigt: Hemd mit Brei drauf scheint nicht so gut am Geburtstag zu passen. Also ein Pullover drauf, na geht doch!

Überhaupt muß man hier alles selbermachen! Essen zum Beispiel. Erst muß ich den ganzen Küchenschrank ausräumen, bis einer mir was zu essen macht. Den Löffel muß ich selber halten und die Schüssel natürlich auch. Dann muß man den ganzen Brei auf dem Tisch löffeln und schön verteilen. Man kann ihn auch ganz ausschütten aber das hat keinen Stil. Die Mama hat keine Ahnung. Brot essen ist schwierig, weil dann kriege ich keinen Löffel. Wie das gehen soll frage ich mich? Also kucken wir mal ob sich der Aufstrich auch als Haargel verwenden lässt. Bei meiner Frisur brauche ich das wirklich.

 Und dann soll ich spielen. Da hab ich doch keine Zeit dazu. Erst muß aufgeräumt werden. Alles aus den Kisten und verteilen. Sieht ja aus als würde hier keiner wohnen! Die Haarbürsten, Paules Sachen und die Klopapierrolle gehören unter den Badschrank. Kann man sich überhaupt sicher sein, daß im Klo keine Fische schwimmen? Muß doch mal sehen ob sich da was für’s Mittagessen angeln lässt? Pappa und Paule haben ja in letzter Zeit nix gefangen … Warum die dann blos immer den Deckel zumachen? Dabei ist Fisch doch sooo gesund!

 Und dann die Sauberkeit. Der Staubsauger ist ein tolles Ding. Aber auch ziemlich gefährlich, deswegen passe ich auf dass Mama sich nichts tut und ziehe sofort den Stecker raus wenn jemand den einschaltet. Jaja. Sie wünscht sich wohl so einen kleinen Staubsaugerroboter der ganz allein rumfährt und saubermacht. Aber das kann noch warten, jetzt hat sie ja erstmal mich. Ich sammle auch alles auf. Macht ja sonst keiner, manches kann man sogar noch essen!

Und dann geht ständig was ab. Schalter zum Beispiel oder Knöpfe. Wenn man rankommt. Die Leute glauben ja ich komme nicht die Treppe hoch , aber das ist sicher das ich das kann. Man muß nur vorher die Türe zumachen, damit man Ruhe hat.

 Dann haben sie hier eine Veranda gebaut! Mit Rampen statt Treppen, aber was hilft mir eine Rampe wenn ein Zaun um die Veranda ist? Gibt’s denn das? Wie soll ich denn jetzt alleine zum Sandkasten und zum Wassergraben kommen? Aber hier gibt’s ja noch Blumentöpfe. Die Erde muß man auch verteilen. Die Blumen kann man rausziehen. Schmecken aber nicht.

 Ansonsten muß man sich eben einfach Verbündete suchen. Die Mama schicken wir ein paar Tage die Woche auf die Arbeit bei der Hauskrankenpflege. Dann bleiben Papa und ich zuhause, und manchmal auch Marianne und sind ungeheuer effektiv. Sonst wird ja nichts! Wir arbeiten im Garten, gießen die Erdbeeren (aber es sind immer noch keine dran!) oder hämmern an der Terasse rum. Bei Papa kann ich Erde essen, so viel wie ich will, man weiß ja nicht ob er dass mal wieder vergißt oder ich dann schon so müde bin, dass ich nichts mehr essen will.

 Doch man kann auch ganz tolle Sachen mit Papa erleben: So eine Fahrt zum Schrottplatz zum Beispiel mit Hänger und allem drum und dran. Ich hab’ es effektiv gemacht und bin auf dem Hinweg eingeschlafen. Auf dem Platz war ich dann wieder hellwach, währen Marianne grade eingeschlafen war. So konnte ich sehen, wie Paule und Papa den ganzen Hänger leergeräumt haben. Leider haben wir diesmal kein Spielzeug dort gefunden. Letztes mal kam Papa mit einem Parkhaus für die Matchboxautos wieder nach Hause. Warum er diesmal wohl nichts eingetauscht hat? Und warum habe ich auf dem Rückweg kein Eis gekriegt wie die Großen? Na gut ein Milchbötchen ganz für mich alleine zum Zerkrümeln ist auch nicht zu verachten und so hat Papa es endlich mal von alleine geschafft (und eingesehen) sein Auto zu waschen und zu saugen. Das schafft Mama nie!

 Ansonsten habe ich inzwischen Weihnachten, Ostern und mein Geburtstag erlebt. Jetzt kommt Pfingsten und da fliege ich mit Mama eine Woche nach Deutschland. Für das Fest habe ich keine großen Erwartungen, ich habe da mal so einen Spruch gehört: „Pfingsten sind die Geschenke am geringsten, während Ostern und Weihnachten, etwas einbrachten.“

 Mal sehn, wie’s dann weitergeht. Ihr könnt Euch jedenfalls auf mich verlassen, ich halte die Stellung und sorge dafür dass der Laden rund läuft.

Macht’s gut oder wie Papa sagt: Einen gesegneten Sommer!

Euer Karli mit vielen Grüßen von Mama und Papa, die haben ja keine Zeit, Marianne, die noch nicht mehr als ihren Buchstaben M schreiben kann, und Paule, der im August in die Schule kommt und mich dann kräftig unterstützen kann! Alles muß man selber machen!

 

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