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4.4. Die Kirche

Die heutige Basilika wurde von 1701 bis 1706 nach den Plänen des Prager Architekten Paul Peyer  von den Baumeistern Julius und Octavio Broggio im Stil einer barocken Jesuitenkirche errichtet. Ihre Länge beträgt 52 und ihre Breite 25 Meter. Sie hat einen rechteckigen Grundriß mit nur einem Längsschiff, das an jeder Seite drei Seitenkapellen mit je einem Altar und einem Beichtstuhl besitzt und zwei Barocktürme. Die Kirche verfügt über zwei Sakristeien, die auf der Seite der Kanzel war dabei für die Weltpriester und die auf der anderen Seite für die Jesuiten bestimmt.

Über dem Eingangsportal befindet sich zwischen zwei unterbrochenen Rundbögen eine vergrößerte Darstellung des Gnadenbildes. Am darüber liegenden Giebel strahlt in den Wolken der Name Jesu „I.H.S.“ und der Wahlspruch der Jesuiten: „Ad majorem Dei gloriam“. Rechts und links neben dem Eingang stehen in Nischen Statuen der großen Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver. Ganz oben an der Frontseite lassen sich noch die Statuen der Apostel Petrus und Paulus finden. An der Südseite sind die Stauen der heiligen Ludmilla, des heiligen Wenzelslaus, des heiligen Johann von Nepomuk und des heiligen Prokopius sowie an der Nordseite die der heiligen Anna, des heiligen Titus, des heiligen Joseph und des heiligen Adalbertus zu erkennen.

Betritt man die Kirche, so fällt sofort der 21 Meter hohe Säulenbaldachin über dem Hauptaltar auf. Er wurden von dem Tiroler Meister Franz Dollinger 1707 bis 1714 dem in der Peterskirche in Rom nachempfunden. Dollinger, der auch die meisten anderen Bildhauerarbeiten in der Kirche ausführte, benutzte für den Baldachin eine Ornamentik, die mit Lindenblättern an die Linde erinnert, in der das Gnadenbild gefunden worden sein soll, zumal man sagt, daß der Hauptaltar heute am Platz dieser Linde steht.

Der Hochaltar wurde 1714 von dem Prager Künstler Andreas Röbsel vollendet. Sein Zentrum bildet das in einem kupfernen Schrein stehende kleine Gnadenbild, das, weil es von Küssen ganz abgenutzt war, bereits 1709 mit Goldblech überzogen wurde. Vor der Krönung der Statue durch den Prager Erzbischof 1925, wurden 1924 auch die letzten noch verbliebenen unverhüllten Teile mit Altsilberfolie überzogen. Der Altar ist dreiteilig: Im Unterbau über dem Altartisch befindet das Tabernakel. Links und rechts davon stehen in je vier Nischen Apostelfiguren, die erst im 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Auf dem Geländer, mit dem der mittlere Teil beginnt, finden sich die noch fehlenden vier Apostelfiguren. Im oberen turmartigen Aufbau schließlich finden sich Votivgeschenke ebenfalls aus dem 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhundert.

Auch die Rückseite des Hauptaltares besitzt einen Altartisch. Im Zentrum befindet sich ein Holzrahmen der in Kupfer getrieben die sieben Schmerzen Mariä mit einer Nachbildung des Gnadenbildes in der Mitte darstellt. Diese Tafel ist eines der ältesten noch vorhandenen Weihegeschenke und wurde der Kirche von dem schon aus dem Kreuzgang bekannten Jaroslaw von Martiniz 1609 geschenkt.

Über den Eingängen zu den Sakristeien befinden sich die  Bilder zweier Jesuiten, die 1853 heilig gesprochen worden. Im Chor über der Sakristei auf der Seite der Kanzel soll sich zudem eine kleine  Orgel zum Wechselspiel mit der Hauptorgel befinden.

Das Bild gegenüber der Kanzel stellt einen Heiligen, Aloisius von Gonzaga, dar. Es wurde von Johann von Pole gemalt. Dieses Gemälde wurde der Kirche 1762 von einem gewissen Herrn Rossi geschenkt, der es aus der Dresdner Gemäldesammlung erworben hatte.

Die Kanzel, ebenfalls ein Werk des Triolers Dollinger, wurde 1719 vollendet. Der Kanzelbecher ist wiederum dreigeteilt: Kleine Kinder tragen zu unterst die ganz große Last. Ihnen schweben darüber Engelsköpfe zur Unterstützung herbei, während über diesen Barockfiguren die Botschaft des Heils aufzeichnen.

Auf dem Schalldeckel lassen sich die drei alttestamentlichen Gestalten Moses, David, Daniel und Jesaja erkennen, über welchen die Bekehrung des da noch Saulus genannten Paulus vor Damaskus dargestellt ist.

Die Bänke der Kirche stammen aus dem Jahre 1730. Ihre Wangenstücke worden vom Laienjesuiten Adam Kesler ursprünglich farbig gestaltet und haben erst bei der Renovierung 1924, als alles weiß übertüncht wurde, diese Farbgebung verloren.

Die Orgel wurde 1734 von einem Laienbruder der Gesellschaft Jesu mit Namen Schwarz gebaut. Rechts steht David mit der Harfe und links die heilige Caecilia mit der Orgel. Um die beiden herum hat sich eine Schar singender und musizierender Engel versammelt.

Die erste der Seitenkapellen neben der Kanzel ist dem Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola geweiht. Das Altarbild zeigt diesen und wurde von Johann Georg Hentsch[162] gemalt. Über den Altarbild befindet sich ein Bild des heiliggesprochenen Jesuiten Franziskus von Borgia, das von den Statuen des heiligen Papstes Gregor und des heiligen Ambrosius umrahmt wird. Auf der Rückseite der Kapelle befindet sich ein Fresko, daß Ignatius beim Abfassen seiner geistlichen Übungen in Manresa zeigt. Bei dieser Kapelle befindet sich auch die Gruft der Familie von Bleileben, in die der 1648 verstorbene Sohn der Familie später überführt wurde. An seiner Stelle hatte 1665 die Wallfahrtskirche erben können.

Das Altarbild der nächsten, dem heiligen Joseph geweihten Kapelle wurde, wie die nächsten drei folgenden, von einem mit dem Namen Raab überlieferten Laienbruder der Gesellschaft Jesu gemalt. Neben ihm stehen die Statuen des Erzengels Michaels und eines anderen Schutzengels[163]. Über dem Altar befindet sich ein Bildnis Johannes des Täufers und das Fresko auf der Rückseite stellt die Vermählung Mariä dar.

Die letzte Kapelle auf dieser Seite ist der heiligen Barbara geweiht. Diese hatte als Heilige der Bergleute in der nahen Bergstadt Krupka eine besondere Bedeutung. Über ihrem Altarbild befindet sich eine Darstellung des Herzens Jesu. Das Wandgemälde dieser Kapelle beschreibt den Tod der Heiligen.

Der Barbarakapelle gegenüber liegt Kapelle des Landespatrons von Böhmen, des legendarischen heiligen Johannes von Nepomuk. Statuen von zwei anderen Landespatronen Böhmens, des heiligen Wenzelslaus und des heiligen Vitus[164] umrahmen sein Altarbild über dem eine Darstellung des Todes des heiligen Franz Xaver, zu finden ist, dem die übernächste Kapelle gewidmet wurde. Neben diesem Bild stehen die Statuen des heiligen Laurentius und des heiligen Florian. Die Fahne an der Wand dieser Kapelle ist ein Schmuck des Grabmals des 1702 verstorbenen sächsischen Generals Erich Theodor Freiherr von Rosen[165]. Dieser konvertierte 1699, zwei Jahre nach seinem Kurfürsten und König, in einer schweren Krankheit zum Katholizismus und wurde nach seinem Tod deshalb hier beigesetzt.

Die vorletzte Kapelle dient als Annenkapelle der Verehrung der Mutter Mariä. Neben ihrem Altarblatt stehen Statuen der heiligen Katharina und der heiligen Elisabeth und darüber befindet ein Bildnis von Maria Magdalena und die Statuen der heiligen Agnes und der heiligen Dorothea. Dieser überbringt ein Engel ein Blumenkörbchen. Auf dem Wandgemälde dieser Kapelle ist die apokryphe Geschichte der Übergabe Mariä an den Tempel in Jerusalem dargestellt.

Die letzte Kapelle, deren Altarbild wieder von Johann Georg Hentsch gemalt wurde, ist dem zweiten großen Jesuiten gewidmet, der uns schon am Eingang der Kirche begegnete: der heilige Franz Xaver. Die Zahl 1 200 000 die sich um den Pilgerstab auf dem Altarbild windet, der von einem Engel gehalten wird, soll dabei die Zahl der von Franz Bekehrten sein. Die Statuen, die sich hier neben dem Altar finden, sind hier die der Apostel Andreas und Philippus. Neben dem darüber befindlichen Bild der 1597 in Japan umgekommenen  und später heiliggesprochenen Jesuitenmissionare Paulus, Johannes und Jakobus stehen Statuen der Kirchenväter Augustinus und Hieronymus. Das Fresko auf der Rückseite der Kapelle hingegen zeigt noch einmal den heiligen Franz Xaver bei der Verkündigung des Evangeliums.

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